Katrin Schütz, Staatsekretärin im Wi-Mi -BW im Interview zu MANUFAKTUREN

Im Interview zu MANUFAKTUREN: Katrin Schütz Staatssekr. im Wi-Min. BW

Anlässlich der Eröffnung der Ausstellung  zum  Europäischen Gestaltungspreis der Holzbidhauer konnten wir mit  Staatssekretärin  Katrin Schütz ein Interview führen zu MANUFAKTUREN !

Alois Fleig - Winbaden.de -

  • Frau Schütz, seit eineinhalb Jahren sind Sie im BW-Wirtschaftsministerium als Staatsekretärin für die Unternehmen unseres Landes zuständig. Das Hauptaugenmerk gilt dabei  natürlicherweise den Leistungsträgern und Rückgrat unserer Wirtschaft. Umso bemerkenswerter für mich, Sie heute hier in Karlsruhe, bei einer Gruppe von Unternehmen, den Holzbildhauern anzutreffen.Welche Bedeutung haben in Ihren Augen Manufakturen wie z.B. die hier präsentierenden Kunsthandwerker? Verbindet sich nicht mit dem MANUFAKTUREN primär TRADITION und weniger INNOVATION; Waren aber andererseits in der Vergangenheit Manufakturen nicht auch Impulsgeber für Innovation?

Katrin Schütz  STS im WiMI - BW

  • Die Massenproduktion von Gütern und deren globaler Handel sind Kern unserer Wirtschaft und Grundlage unseres Wohlstands. Daneben gibt es aber nach wie vor handgemachte Dinge, die mit einer eigenen Aura und oft mit besonderer Qualität und Wertigkeit verbunden sind. Sie sind die Alternative zur Massenproduktion und Ausdruck von Individualität und Könnerschaft. Gleichzeitig verkörpern sie nicht nur Tradition, ihre Nachhaltigkeit macht sie zu modernen Produkten. Und unsere Industriegeschichte zeigt, dass in Manufakturen der Grundstock für innovative Unternehmen gelegt wurde, die sich seit Generationen auf dem Markt behaupten.

Alois Fleig -Winbaden.de-

  • Ist es angesichts des unschätzbaren Fundus‘ an Wissen und Können verbunden mit unternehmerischen Lebensleistungen, das über Generationen weitergegeben und weiterentwickelt wurde, nicht gerechtfertigt, von einem Stück regionalen KULTURERBES zu sprechen, das sich in den Manufakturen angereichert hat? Dies auch vor dem Hintergrund, dass 5 „Manufaktur-Arten“, als jüngste die der ORGELBAUER, auf der UNESCO-Liste des IMMATERIELLEN KULTURERBES stehen!

Katrin Schütz STS im WiMI - BW

  • Zweifellos sind Manufakturen Teil unseres kulturellen Erbes. In ihnen wird traditionelle Handwerkskunst weiterentwickelt und weitergegeben. Manufakturen bilden auch Lebens- und Arbeitsbedingungen früherer Zeiten ab. Gerade Baden-Württemberg hat beispielsweise im Schwarzwald eine reiche Tradition an Manufakturen, deren Produkte identitätsstiftend für die Region sind. Die Entwicklung vieler einstiger Manufakturen zu heute weltweit tätigen Unternehmen sind ein wichtiger Teil der wirtschaftlichen Erfolgsgeschichte Baden-Württembergs.

Alois Fleig -Winbaden.de-

  • Haben angesichts von INDUSTRIE 4.0 MANUFAKTUREN überhaupt noch eine Chance für eine Zukunft? Werden diese sich der Digitalisierung entziehen können, oder einen eigenen Weg finden müssen?

Katrin Schütz STS im WiMI - BW

  • Das „Handgemachte“ wird auch künftig ein Alleinstellungsmerkmal von Manufakturen sein. Ob man analog zu „Industrie 4.0“ in Zukunft auch von „Manufaktur 4.0“ reden sollte, möchte ich daher mal dahingestellt lassen. Zweifellos bietet aber die Digitalisierung auch jenseits des „Handgemachten“ große Chancen für Manufakturen, etwa was das Marketing, den Einkauf und Vertrieb oder die kaufmännischen Abläufe im Unternehmen betrifft.

Alois Fleig -Winbaden.de-

  • Was kann, was will Ihr Ministerium für diese „Randgruppe“ des großen und starken Unternehmens-Spektrums im Lande tun?

Katrin Schütz STS im WiMI - BW

 

  • Wir wollen Manufakturen vor allem die Chance geben, sich einer interessierten Öffentlichkeit zu präsentieren. Daher führen wir alle zwei Jahre gemeinsam mit dem Bund der Kunsthandwerker Baden-Württemberg den Staatspreis „Gestaltung Kunst Handwerk“ durch. Im letzten Jahr war er verbunden mit einer mehrwöchigen Landesausstellung im Schloss Meersburg mit über 5.000 Besucherinnen und Besuchern. Außerdem finden beim Regierungspräsidium Karlsruhe mit unserer Unterstützung regelmäßig kunsthandwerkliche Ausstellungen statt, so zum Beispiel dieses Jahr im Rahmen des Europäischen Gestaltungspreises für Holzbildhauer. Und natürlich können die Manufakturen, etwa als Handwerker oder freiberufliche Künstler, auch das breite Unterstützungsangebot unserer Mittelstandsförderung nutzen.

Alois Fleig -Winbaden.de-

  • Wie schätzen Sie den WERT der Manufakturen angesichts der Tatsache, dass eine ganze Reihe heute erfolgreicher Marktführer aus solchen Manufakturen hervorgegangen sind? Beispiel dafür neben hansgrohe, Papst, Siedle, ...auch die BURGER-GROUP ,Schonach von Thomas Burger, WVIB-Präsident und erster „Pate“ der „MANUFAK-TOUR“.

Katrin Schütz STS im WiMI - BW

 

  • Manufakturen sind ein kleiner aber feiner Teil unserer reichhaltigen Unternehmenslandschaft in Baden-Württemberg. In ihnen werden alte Handwerkstechniken erhalten, wobei gleichzeitig Offenheit für Neues und Innovatives besteht. Und in Ihnen entwickelt sich über Generationen ein besonderer Unternehmergeist, der gepflegt und vorgelebt wird. Hieraus entstehen dann die von Ihnen aufgeführten Erfolgsgeschichten.

Alois Fleig -Winbaden.de-

  • Schließlich mein ganz spezielles Anliegen und mein Setzen auf die Unternehmerin mit dem großen Überblick: Wo ist Ihnen im Lande ein Institut, eine Institution oder bekannt, das/die sich dem Thema INDUSTRIEKULTUR widmet und dabei nicht nur BOSCH und AIMLER im Blick hat sondern auch den verborgenen Schatz der MANU-FAKTUREN in rer Vielfalt? Können Sie sich (wie auch Dr. Vetter) vorstellen, das darauf die Landesstiftung Baden-Württemberg ansprechbar sein könnte?

Katrin Schütz STS im WiMI - BW

  • Es gibt in Baden-Württemberg durchaus Institutionen, die sich mit Industriekultur beschäftigen und die die ausgehend von Manufakturen regionale Entwicklungsgeschichte von Industrien abbilden. Die Landesstelle für Museumsbetreuung Baden-Württemberg ist hier ein guter Ansprechpartner. So zeigt das Füllhaltermuseum Handschuhsheim in Heidelberg seit 2016 eine Ausstellung zur örtlichen Füllhalterindustrie mit einer historischen Werkstatt. In Lahr zeichnet das Stadtmuseum Tonofenfabrik in seiner Ausstellung die regionale Industriegeschichte in einem Gebäude nach, in dem rund hundert Jahre eine Ofen- und Tonwarenfabrik war. Außerdem kann ich das technisches Museum der Pforzheimer Schmuck- und Uhrenindustrie, das Silberwarenmuseum Ott-Pausersche Fabrik in Schwäbisch Gmünd, das Museum Weiler Textilgeschichte in Weil am Rhein und das Wiesentäler Textilmuseum in Zell im Wiesental nennen. Ich kann nur sagen: Es gibt hier in Baden-Württemberg viel Industriekultur zu entdecken und zu erleben.

Alois Fleig -Winbaden.de-

  • Herzlichen Dank Frau Schütz, da sind wir uns  also einig, dass wir hier bei den Manufakturen einen echten Schatz haben, den es dem  Motto der MANUFAK-TOUR gemäß,  zu entdecken, zu erleben, zu erhalten gilt!  Herzlichen Dank auch für die Zeit und  Aufmerksamkeit, die Sie  unserem Projekt  und  damit unseren Manufakturen gewidmet haben.

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